Ulla Weichlein |

6 zu 22

Überraschend haben wir einen Tag vor unserem langgeplanten Treffen mit Verantwortlichen der Museen erfahren, dass sich eine sehr große Zahl von Direktor*innen, Geschäftsführer*innen und Leitungen von Bildung und Vermittlung dem Gespräch zuschalten würden. Schließlich trafen 22 Verantwortliche und 6 Kulturvermittler*innen zusammen. Von Verdi hatten wir 2 Vertreter*innen dazu gebeten.

Auf der Tagesordnung standen unsere Hauptforderungen:

1. Honorarerhöhung

2. Neufassung der Verträge und soziale Absicherung,

3. Verbesserte Kooperation auf Arbeitsebene

Zu Punkt 1 war die angestrebte Erhöhung mit dem Vorschlag einer Honorar-Ordnung vom Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. und vom Bundesverband Kulturwissenschafter von 2015 als Richtmarke und Anhaltspunkt vorgelegt worden. Jetzt, sechs Jahre später, müssten die neuen Honorare jedoch höher ausfallen, um die tatsächlichen Arbeitskosten einigermaßen abzudecken.

Nach anfänglicher Zurückhaltung und den schon bekannten Verweisen auf klamme Kassen und fehlende Extra-Töpfe zur Finanzierung von Vermittlungsarbeit, kam von Seiten der Direktor*innen der Vorschlag, das Münchner Honorar-Modell als Richtschnur und Ziel zu sehen. Dort verdienen Kunstvermittlerinnen pro Stunde 80 bzw. auch 90 Euro.

Die Erhöhungen über die Eintrittsgelder hereinzuholen wurde kritisch diskutiert. Andere Möglichkeiten waren noch nicht greifbar. Von Seiten der Verantwortlichen wird die Münchner Honorar-Ordnung als Vorlage organisiert.

Die Idee für eine Image-Kampagne, die uns Kulturvermittler*innen in der Öffentlichkeit präsenter macht, und gleichzeitig die Akzeptanz für die Qualität unserer Arbeit erhöhen soll (und somit die Bereitschaft mehr zu bezahlen), wurde von Seiten des Museumsdienstes, wie auch von anderen Museumsverantwortlichen positiv aufgenommen und Schritte dazu ins Auge gefasst.

Zu Punkt 2, einer Neufassung der Verträge, wurde das Thema eines breiter angelegten Ausfallhonorars vorgebracht. Allerdings muß hier noch über eine praktikable Umsetzungsidee diskutiert werden.

Von unserer Seite wurden verschiedene Vertragsbeispiele angesprochen, die uns besser sozial absichern könnten. Der Weg der KZ-Gedenkstätte Dachau wurde vorgestellt und diskutiert. Diese beinhaltet u.a. Teilzeitverträge für ihre „Referent*innen“, flexible Arbeitszeitkonten und die Möglichkeit auch an anderen Einrichtungen tätig zu sein, oder aber dort weiter als Freie zu arbeiten. Auch der Österreichische Weg der Festanstellung - praxisnah dokumentiert in dem Buch „Kulturfairmitteln“ von Wencke Maderbacher - wurde angesprochen und diskutiert. Von Seiten der Verantwortlichen wurde auch auf die Verträge der Rundfunk und Fernsehanstalten hingewiesen (Stichwort: "Feste Freie"), die sich schon lange bewähren.

Hier wurde bekundet, sich die einzelnen Vorschläge anzusehen bzw. zu prüfen.

Punkt 3 zielt auf unseren Wunsch nach verbesserter Kooperation mit den festangestellten Mitarbeitenden in den Häusern, vor allem den Kurator*innen der Ausstellungen. Zu der Forderung nach mehr Informationsfluss über die geplanten Inhalte und den Fortgang der Vorbereitungen erklärte insbesondere ein Museum, seine Kulturvermittlerinnen stärker einzubinden oder einbinden zu wollen.

Auch dass an manchen Museen seit Jahren kaum noch oder keine Team-Sitzungen mehr stattfänden, stieß auf die Problematik, dass nicht alle Museen bisher ihren Kulturvermittler*innen eine Art „Sitzungsentgelt“ oder Honorar für die Teilnahme bezahlen.

Von Seiten der festangestellten Leitungen Bildung und Vermittlung wurde darauf hingewiesen, dass sie als Kulturvermittler*innen in den Gremien und Vorbereitungssitzungen der Ausstellungen unsere Perspektive vertreten.

Für uns kann die verbesserte Information und Kooperation die notwendige Vor- und Einarbeitung in die Ausstellungsthemen reduzieren, es können Anregungen zu den Ausstellungen ausgetauscht werden und zu einer Bereicherung und mehr Publikumsbezogenheit beitragen. Dieser Informationsaustausch kann zur allgemeinen Zufriedenheit und Identifikation mit den Häusern beitragen.

Die Idee, eine Stelle zu schaffen, die uns entweder in der Kulturbehörde oder dem Museumsdienst mit Ihrer Stimme vertritt und gleichzeitig Anlaufstelle für Informationen für uns ist, wurde bei diesem Gespräch nicht angesprochen, wird aber bei einem der nächsten Gespräche auch Thema sein.

Abschließend wurde von Seiten der Verantwortlichen bestätigt, dass es bis zum nächsten Treffen, das wahrscheinlich in 2-3 Monaten stattfinden wird, „Arbeitsaufträge“ gebe und man gewillt sei, in der Direktor*innenrunde die Themen nochmals konzentrierter zu besprechen. Um mit den Änderungen und Verbesserungen voranzukommen, müssten kleinere Arbeitsgruppen gebildet werden.

Alles in allem eine Gesprächsrunde, die uns in Erinnerung bleiben wird und hoffentlich Früchte trägt. Es besteht die besondere Chance ein „Neues Hamburger Kultur Vermittlungs-Modell“ auf den Weg zu bringen.

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